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Remember Alexis, Oury Jalloh und all die anderen – Reaktion auf SHZ-Artikel

Alexandros Grigoropoulos (Spitzname Alexis) wurde im Alter von 15 Jahren am 6.12.2008 in Athen erschossen. Sein Mörder, der Polizist Epaminondas Korkoneas, wurde im Oktober 2010 zu einer lebenslangen Haftstrafe wegen Mordes verurteilt ( https://web.archive.org/web/20101014004234/http://www.tagesschau.de/ausland/gerichtsurteil102.html ).

Am 25.01.2019 veröffentlichte die SHZ einen Zeitungsartikel (https://www.shz.de/regionales/kiel/mordvorwurf-gegen-die-polizei-polizisten-ballen-faeuste-in-der-tasche-id22395387.html), in dem behauptet wird, wir würden ungerechtfertigte Mordvorwürfe gegenüber der Polizei in unseren Transparenten veröffentlichen. Konkret geht es hierbei um ein Transparent mit der Aufschrift „Remember Alexis. Am 6.12. von der Polizei ermordet“. Am selben Tag schickte die Kieler CDU eine Pressemitteilung raus, in der sie sich ebenfalls über dieses Transparent echauffierte (https://www.cdu-ratsfraktion-kiel.de/artikel/geschmacklose-provokation-der-wagengruppe-schlagloch). In beiden Veröffentlichungen ist der Fall falsch dargestellt. Bevor also in der Kieler Politik, Polizei und Presse von „Provokation“ und „Mordvorwürfen“ gesprochen wird, empfehlen wir für die Zukunft erst einmal die Fakten zu recherchieren. Besonders kritikwürdig finden wir auch, dass Oberbürgermeister Kämpfer unseres Wissens nach – scheinbar ebenfalls ohne die Sachlage zu recherchieren – der Forderung der CDU nach kam und den Geschäftsführer der Gesellschaft, der die Fläche an der Werftbahnstraße 1, auf der wir als Wagengruppe momentan wohnen, gehört, anrief und ihn aufforderte, dass Transparent entfernen zu lassen. Wir empfinden die Publikationen der letzten Tage als haltlosen Versuch, uns vor der Kieler Öffentlichkeit schlecht dastehen zu lassen. Wir weigern uns, uns von einer Politik, der die „freiheitlich-demokratische Grundordnung“ angeblich so am Herzen liegt, den Mund verbieten zu lassen!

Ganz im Gegenteil möchten wir darauf aufmerksam machen, dass Alexis kein Einzelfall ist.

Auch in Deutschland gibt es Morde durch Polizist*innen. Ein bekanntes Beispiel ist hier Oury Jalloh, der in seiner Zelle auf dem Polizeirevier in Dessau verbrannte. Obwohl Oury an Händen und Füßen gefesselt war, behaupteten die Schuldigen Jahre lang, er habe sich selbst angezündet. Die Kampagne zur Aufklärung seines Mordes hat nach Vorlage zweier Gutachten bewirkt, dass die Staatsanwaltschaft Dessau ein Verfahren wegen Mordes einleitete. Daraufhin entzog der Generalstaatsanwalt Dessau die Ermittlungen und gab sie nach Halle weiter, wo sie nach nur dreimonatiger Prüfung der Akten eingestellt wurde. Diese Einstellung wird aktuell auf Druck von Familie und Freund*innen Oury‘s aufs Neue von der Generalstaatsanwaltschaft Nauenburg geprüft (https://initiativeouryjalloh.wordpress.com/2018/06/14/wer-schwarz-ist-darf-offiziell-verbrannt-werden/#more-4968).

Während es in Griechenland wenigstens zu einer Verurteilung der Täter kam, wird in Deutschland die Aufklärung von Polizeigewalt durch den Staat selbst vereitelt. Genau diejenigen, die ständig von „Linksextremismus“ reden und freiheitliche Projekte dämonisieren, verschließen die Augen vor jeder Art von Gewalt, die vom Staat selber ausgeht.

Wir werden nicht müde werden, die Politik, die Polizei und den Staat zu kritisieren. Wir werden weiterhin Alternativen leben und aufzeigen, dass ein anderes Miteinander möglich ist!

Wagengruppe Schlagloch

und das neue Transparent…

Solidarität mit dem RabAZ

Linke Freiräume sind regelmäßig von wirtschaftlichen Verdrängungsprozessen bedroht, aktuell und akut betrifft das verschiedene Projekte in Köln, das Autonome Zentrum und den Wagenplatz Wem gehört die Welt. Doch die Menschen lassen sich nicht unterkriegen geschweige denn einschüchtern, sondern haben ein projektübergreifendes Aktionswochenende auf die Beine gestellt. Wir sind schwer beeindruckt von so viel widerständigem Weitblick und wünschen ganz viel kreativen RabAZ im Kölner Stadtbild!

RabAZ in Köln 4.-7. Oktober 2018

Zusammenkommen, uns austauschen und vernetzen, gemeinsam auf die Straße gehen – und RabAZ machen!

Das Autonome Zentrum Köln und der Wagenplatz Wem gehört die Welt laden ein zu einem widerständigen ersten Oktoberwochenende. Wir warten nicht auf Tag X! Im Oktober wollen wir uns warm laufen und der Stadt und den Verantwortlichen eine (un)ordentliche Kostprobe geben! Eine Räumung unserer Projekte wird auf den vielfältigen Widerstand stoßen!

Darum macht RABAZ! Beteiligt euch an dem Kampf für Freiräume, für Autonomes Leben und das AZ Köln!

Das Autonome Zentrum in Köln steht 8 Jahre nach der Besetzung und 2 Umzügen erneut vor der Vertreibung. Der mietfreie Nutzungsvertrag läuft zum 31.12.2018 aus. Vertraglich zugesicherte Gespräche über die AZ Zukunft werden von der Stadt nicht ernsthaft angeboten. Wenn es nach den führenden Politiker*innen der Stadt geht, wird das AZ Ende 2018 zum Abriss freigegeben, um das Gebäude durch Rollrasen zu ersetzen.

Mit dem AZ würde Köln einen Raum verlieren, in dem über 30 aktive Gruppen & Projekte, hunderte Veranstaltungen, D.I.Y.- und Hilfsangebote mit mehreren Tausend Besucherinnen be- und entstehen. Leider ein weiteres Beispiel von Verdrängung unangepasster Orte, die Gewinn nicht in Geld messen!

Auch der älteste Wagenplatz Kölns Wem gehört die Welt, der seit 1994 an der Ecke Krefelder Str./ Innere Kanalstrasse besteht, soll weichen. Die Stadt möchte das Gelände verkaufen. Dabei ist der Platz das Zuhause von etwa 30 Menschen und bietet Raum für Gäste und unkommerzielle Veranstaltungen. Trotz etlicher Aktionen, einer erfolgreichen Petition und Gesprächsangeboten seitens der Bewohner*innen, gibt es bis heute weder eine Ansprechperson, noch einen Lösungsvorschlag seitens der Stadt.

Deshalb wollen wir uns mit Euch treffen, eure Perspektive kennenlernen, von Euren Erfahrungen lernen, gemeinsame Strategien entwickeln, mit den unterschiedlichsten Aktionen dezentral präsent sein, unsere vielfältigen Kämpfe und Ideen sichtbar machen – frei nach dem Motto: Nehmt ihr unsere Freiräume, nehmen wir uns die Stadt.

Beteiligt euch am Austausch und an den Aktionen, seid laut, bunt, kreativ & wütend. Verdrängung ist kein lokales oder individuelles Problem!

mehr Infos: https://az-koeln.org/rabaz/

MIETENmove! – Hamburg – 2.6.

Wir rufen dazu auf, am 2.6. nach Hamburg zum

MIETENmove!

zu fahren!

13Uhr, Spielbudenplatz

Lasst uns gemeinsam auf die Straße gehen, um zu zeigen: Wohnen ist kein Individualproblem! Spekulation, Gentrification, Leerstand usw funktionieren überall ähnlich!

Und nicht zu vergessen: Solidarität mit dem Wagenplatz Zomia​!

 

Aufruf aus Hamburg:

MIETENmove!

Demonstration für eine solidarische & soziale Wohnraumpolitik

Der Mietenwahnsinn nimmt in Hamburg immer schlimmere Ausmaße an. Große Immobilienkonzerne kaufen ganze Wohnhausblöcke und verlangen Quadratmeterpreise in astronomischen Höhen. Andere Immobilienunternehmen und Privatvermieter*innen ziehen nach – die Mietspirale dreht sich immer weiter. Die Folgen sind dramatisch: Normalverdiener*innen und erst recht Geringverdiener*innen können sich eine Wohnung in der Stadt kaum noch leisten. Die Wohnungssuche ist für viele längst zum nicht enden wollenden Albtraum geworden. Geflüchtete und Wohnungslose leben über viele Jahre ohne jegliche Rückzugsmöglichkeiten in eigentlich nur zur temporären Unterbringung gedachten Camps und Wohnunterkünften.

Lange Zeit konnte der Rotgrüne-Senat die Gemüter in der Stadt ein wenig beschwich- tigen. Zwar änderte sich am Anstieg der Mieten nichts – auch nicht bei der stadt- eigenen Wohnungsgesellschaft SAGA. Allerdings wirkte die Wohnungsbauoffensive des Senats als ein Trostpflaster und Hoffnungsschimmer. Gleichzeitig wird das gerne angeführte Argument des so genannten Trickle-Down-Effekts, also der Entlastung des Wohnungsmarktes durch Neubau von Wohnungen, dazu genutzt, alternative Wohnformen und linke Wohn- und Veranstaltungsorte wie z. B. die Villa Dunkelbunt oder den Wagenplatz Zomia aus der Stadt zu verdrängen. Das der Trickle-Down- Effekt ein Scheinargument ist und die Mieten eben nicht einfach durch Neubau von Wohnungen sinken, ist wissenschaftlich nachgewiesen.

Mittlerweile ist es nicht mehr zu übersehen: Die Wohnungspolitik des Senats ist gescheitert! Es ist unsere Stadt! Und es muss etwas passieren! Wir lassen nicht zu, dass die rot-grüne Regierung und Immobilienunternehmen Hamburg zur exquisiten Zone für Besserverdienende machen! Wir wollen Druck machen für eine andere Politik!

Wir wollen ein Zeichen setzen für eine Wohnungspolitik, die endlich aufhört, sich an den Gewinninteressen der Immobilienwirtschaft zu orientieren.

Wir wollen eine Wohnungspolitik, die die Möglichkeiten, auf Kosten der Bewohner*- innen dieser Stadt mit Immobilien Geschäfte zu machen, drastisch einschränkt.

Wir wollen wirklichen sozialen Wohnungsbau.

Wir wollen, dass kleinteiliges Gewerbe für den Bedarf von Anwohner*innen gefördert und geschützt wird.

Wir wollen, dass die Stadt aufhört, auf den Zuzug von Besserverdienenden und die Steigerung der Attraktivität für Tourist*innen zu schielen.

Quelle: https://www.facebook.com/events/217989232306193/

Solidaritätserklärung Subrosa

Ende April entstand in Kiel mit der Besetzung des Kleingartengeländes Prüner Schlag ein großartiges Projekt. Eine Gruppe hat sich gefunden, um gemeinsam einen Raum zu gestalten, Ideen zu verwirklichen, eine nachhaltige Wohnform zu leben und einen offenen Ort für alle Menschen zu bieten. Binnen kürzester Zeit entstand ein vielfältig genutzter Raum für unkommerzielle Kultur, kritische Auseinandersetzung mit der (Stadt-)Politik und ein solidarisches Miteinander.
Die Stadt machte sehr schnell deutlich, wo ihr Schwerpunkt liegt. Statt den Bedürfnissen nach einem Wagenplatz der Kieler*innen nachzugehen, wurde das Schlagloch nach gut 4 Wochen geräumt. Seitdem sind die Bewohner*innen der Wagengruppe Schlagloch gezwungen auf wechselnden Standstreifen zu leben. Die Lösungsfindung von Seiten der Stadt schreitet nur schleppend voran. Es wird klar, dass die stadtpolitische Entwicklung ihren Fokus auf profitorientierte Großprojekte, wie neue Schwimmbäder, Hotels oder Möbelhäuser legt. Nicht aber auf bezahlbare, solidarisch gestaltete oder selbstverwaltete Wohnräume. Im Gegenteil wird gar behauptet, es gäbe ja bereits alternative Projekte in Kiel. Da dies zum Teil aber kommerzialisierte Orte sind und es keine Möglichkeit gibt dort zu leben, bringt dieser Hinweis niemanden voran.

Die Wagengruppe Schlagloch beweist, dass das kollektive Handeln und Entscheiden zu wunderbaren Ideen führt. Aus jahrzehntelanger Kollektiverfahrung wissen wir, dass die Debatten, die im Kollektiv stattfinden durch die vielen Perspektiven bereichernd, kreativ und einander unterstützend sind. Entscheidungen werden gemeinsam auf die Bedürfnisse aller achtend getroffen. Dies ist auch die Stärke der Wagengruppe Schlagloch, in der von Anfang an in einer gleichberechtigten Struktur kollektiv entschieden und gehandelt wurde.
In kollektiven Strukturen geht es um mehr als Profitorientierung, da gemeinsam Verantwortung getragen und übernommen wird – unabhängig der finanziellen Vergütung der getanen Arbeit. Es entsteht eine tiefe Verbundenheit dem Projekt und den anderen Kollektivmitgliedern gegenüber. Dies ist so wichtig in einem Kontext, in dem Lohnarbeit den Alltag beherrscht, als etwas Unabdingbares betrachtet wird und das kapitalistische Profitdenken bis ins Privatleben der Menschen vorgedrungen ist. Eine Quelle der Hoffnung für eine Alternative zu diesem ist die Wagengruppe Schlagloch.

Hiermit wollen wir als das Subrosa Kneipenkollektiv unsere tiefe Solidarität mit der Wagengruppe Schlagloch kundtun. Wir sind überzeugt davon, dass in der gemeinsamen Gestaltung von Räumen und Projekten Großartiges entsteht. Kiel braucht einen Freiraum, wie ihn die Wagengruppe entwickelt!
Von der Stadt fordern wir, der Wagengruppe Schlagloch einen dauerhaften Platz zur Verfügung zu stellen!

Unseren Freund*innen vom Schlagloch wünschen wir viel Kraft, Ausdauer und Kreativität.
Ihr macht das toll, macht weiter so!

Be careful with each other to be dangerous together

Solidaritätserklärung vom Aubrook

Wir, der Aubrook 100, lieben das kreative und experimentelle Leben in
selbstgestalteten Wagen und Hütten und wünschen diese Möglichkeit allen Menschen. Darum erklären wir uns solidarisch mit der Wagengruppe Schlagloch, die sich seit etwa 2 Monaten friedlich und bestimmt für einen eigenen Freiraum in Kiel einsetzt.
Unsere Erfahrung zeigt, dass positive Prozesse in Gang gesetzt werden, wenn eine Bleibeperspektive geschaffen wird. Wir wertschätzen unsere Umwelt noch mehr und fühlen uns für sie verantwortlich, sodass durch naturnah gestaltete Gärten und wilde, der Natur überlassene Bereiche, ein immer vielfältigerer Lebensraum für Vögel, Pflanzen, Amphibien, Insekten, andere Tiere und uns Menschen wächst.
Soziale Verantwortung, die nicht an der Wohnungstür endet, kreativer Umgang mit Armut in Zeiten steigender Mieten und teurer Wohnungen, individuelle und gemeinschaftliche Entfaltung – immer mehr Menschen sind fasziniert von dieser Lebensform und wünschen sich das Glück, die Tür zu öffnen und im Freien zu sein.
Darum unterstützen wir das Vorhaben der Wagengruppe Schlagloch einen
Wagenplatz zu gründen, denn der Aubrook ist leider nicht unendlich groß und Kiel als weltoffene Stadt braucht mehr Orte, an denen Menschen zu neuen Ufern aufbrechen.
Leinen los, Sailing City!

Solidaritätserklärung der Alten Meierei

Das Nutzer*innenplenum der Alten Meierei hat eine schlagkräftige und für uns sehr empowernde Soli-Erklärung formuliert! Vielen Dank dafür!

 

SOLIDARITÄT MIT DER WAGENGRUPPE SCHLAGLOCH

– FÜR MEHR BAUWAGENPLÄTZE!

Solidaritätserklärung des Nutzer*innenplenums der Alten Meierei

mit der Wagengruppe Schlagloch.

Am Montag, 29. Mai 2017 wurde der Wagenplatz Prüner Schlagloch auf dem brachliegenden Baugelände der zwielichtigen Firma „Möbel Kraft“ auf Anzeige des Eigentümers durch eine Gerichtsvollzieherin in Begleitung von etwa 50 Polizist*innen geräumt. Die Bewohner*innen konnten die angedrohte Beschlagnahmung ihrer Existenzgrundlage nur abwenden, indem sie sich mit ihren Wägen auf den Parkstreifen des Hasseldieksdammer Weg zurückzogen, während Polizei und private Sicherheitsdienste das Gelände abriegelten.

Die Wagengruppe Schlagloch hatte das ehemalige Kleingartengelände, an das seit drei Jahren nur noch vereinzelte Ruinen zerstörter Lauben erinnern und auf dem in den kommenden Jahren angeblich ein überdimensionierter Möbelmarkt in die Landschaft gesetzt werden soll, vor über einem Monat besetzt. Damit schufen sie für mehrere Wochen einerseits einen Ort des kollektiven und selbstorganisierten Wagenlebens, andererseits einen offenen Freiraum für unkonventionelle Kultur, emanzipatorische Politik und herrschaftskritisches Miteinander. Die Besetzer*innen holten das Leben zurück auf den gewaltsam verödeten Prüner Schlag und erhielten dabei vielfältige und zahlreiche Sympathie und Unterstützung von solidarischen und interessierten Menschen aus dem ganzen Stadtgebiet und darüber hinaus.

Dieser positive Widerhall der Aktion hängt nicht zuletzt damit zusammen, dass das Kollektiv von Beginn an klarstellte, dass es ihm nicht nur um die Durchsetzung ihrer Forderung nach einem Wagenplatz geht. Vielmehr verstanden sie die Besetzung als längst überfällige Antwort auf den zunehmenden Mangel an bezahlbarem Wohnraum in Kiel und eine städtische Politik, die an der schlechten Tradition der Zerstörung von Orten unkommerzieller kreativer Selbstverwirklichung und der Muße zugunsten von Konzerninteressen, Konsumtempeln und durchkommerzialisierten Events starr festhält. Dem in Kiel vielerorts vorherrschenden Zwang zum reglementierten und vereinzelten Vegetieren in überteuerten, beengten und verrottenden Wohnungen hinter von Straßenkunst und wilden Plakaten gesäuberten sterilen Betonfassaden haben die Besetzer*innen ihren lebendigen Gegenentwurf entgegengestellt. Dies haben sie getan nicht durch Bittstellungen an wohlwollende Eigentümer*innen und politische Verwaltungen, sondern durch die bewusste Verletzung der herrschenden Eigentumsordnung und die selbstbestimmte Aneignung des Raumes, den sie zum Leben brauchen. Dafür lieben wir sie!

Auch die Alte Meierei – genauso wie die Meisten der in ihrer Anzahl noch viel zu überschaubaren kollektiven Projekte widerständigen oder alternativen Wohnens und Lebens in dieser Stadt -, würde nicht existieren, wenn es in den letzten Jahrzehnten nicht immer wieder Menschen gegeben hätte, die es gewagt haben, den Widerspruch zwischen selbstbestimmtem Leben und der aggressiven kapitalistischen Verwertungslogik konfrontativ und auch entgegen der bestehenden Gesetze auszutragen. Die Hausbesetzungen der frühen 1980er in der Kieler City haben zwar die fatale Abrisspolitik, die gezielte Entmenschlichung des innerstädtischen Raumes und seiner Umwandlung in hässliche Konsumzonen am Ende nicht aufhalten können. Politik und Investor*innen konnten ihr Projekt der Stadtzerstörung jedoch nicht durchsetzen, ohne der Hausbesetzer*innenbewegung andere Räume zur Verfügung stellen zu müssen, an denen der widerständige Geist der Kollektivität und der Selbstbestimmung weiterleben konnte. Auch in der nun seit 34 Jahren andauernden Geschichte der Alten Meierei musste dieses Erbe immer wieder gegen die Bürokratiesierungsbestrebungen von Ordnungsfanatiker*innen aus dem Rathaus selbstbewusst verteidigt werden.

Dieser emanzipatorische Geist lebt fort, weil unter den herrschenden Bedingungen der kapitalistischen Unterwerfung von allen und allem unter die Tyrannei der Mehrwertproduktion kein befriedigendes Leben möglich ist und diese immer wieder Menschen zum Aufbegehren drängen. In Kiel ist das Prüner Schlagloch das aktuellste und vitalste Beispiel hierfür. Seit vielen Jahren hat es in dieser Stadt keine so konsequente und lang andauernde Besetzung mehr gegeben. Die Aktion hat damit Vorbildcharakter für sämtliche Kämpfe um Wohnraum, Kultur und Selbstbestimmung, die in dieser Stadt geführt werden oder geführt werden sollten.

Wir, die Nutzer*innen und Bewohner*innen der Alten Meierei, fühlen uns eng verbunden mit der Initiative der Wagengruppe Schlagloch – Euer Kampf ist unser Kampf! Ihr habt unsere vorbehaltlose Solidarität, wir stehen jetzt erst Recht weiter an Eurer Seite – inhaltlich, infrastrukturell, auf Euren zukünftigen Plätzen, auf der Straße. Von der Stadt fordern wir nichts, außer dass Sie alle Forderungen der Wagengruppe Schlagloch bedingungslos und umgehend erfüllt und ihre Finger ab jetzt von den Wägen unserer Freund*innen lässt, egal wo sie es sich zukünftig bequem machen werden. Die von der herrschenden Politik mitverursachte soziale Misere löst sich nicht durch das fragwürdige Versprechen von ein paar mehr prekären Jobs durch einen dubiosen Möbelriesen, sondern durch mehr Inseln des Widerstands, mehr emanzipatorische Experimente und mehr Aneignungsprozesse von unten. Von der Firma „Möbel Kraft“ verlangen wir, dass sie den von ihr geraubten und der Zerstörung preisgegebenen Prüner Schlag umgehend an die Allgemeinheit zurückgibt und sich aus der Stadt verzieht. Und unseren Freund*innen von der Wagengruppe Schlagloch wünschen wir die Ausdauer, Energie, Phantasie, Renitenz und soviel Platz, wie Ihr braucht, um Euer wundervolles und rundum vernünftiges Projekt zu verwirklichen.

Shut Up Commercial City – die Stadt den Menschen!
Für mehr Platz zum Leben – für mehr Schlaglöcher im Fundament der herrschenden Verhältnisse!
Wir bleiben alle!

Nutzer*innenplenum derAlten Meierei, 02.06.2017

www.altemeierei.de

Samstag: Wobadub in der Meierei mit Soli fürs Schlagloch!

Die Wobadub Soundsystem Crew schmeißt mal wieder eine coole Party am Samstag, 3.6. ab 23Uhr in der Alten Meierei! Und worüber wir uns natürlich am zweitmeisten freuen: mit Soli für unseren Wagenplatz Schlagloch! Also hin da!! und danke liebe Soundsystem-people!

Zitat: “Hey Leute, wie ihr sicherlich schon wisst wurde unser neuer Lieblings-Wagenplatz am vergangenem Montag geräumt.Deshalb sammeln wir den ‘Soli’ für die Gruppe und alles was so eine Räumung mit sich bringt. In Solidarität mit allen (Bau-)Wagenplätzen und alternativen Lebensräumen!!! One Soundsystem, One Fight!”

https://www.facebook.com/events/1917146311898435/?active_tab=about

Solidaritätserklärung des Wohnprojekts am Timmerberg

Das Wohnprojekt “Wohngenossenschaft Dampfziegelei e.G.” am Timmerberg in Kiel-Wik hat uns eine tolle Solidaritätserklärung verfasst, die wir hiermit gerne dokumentieren möchten! Vielen Dank an euch, lieber Timmerberg, und an all die anderen solidarischen Menschen die uns auf vielfältige Art und Weise unterstützen!!

Soli-Stellungnahme:

” Wagenplatz Schlagloch bleibt – Kiel braucht Platz für alternative Wohnformen
Wohngenossenschaft Dampfziegelei e.G. fordert OB zu ernsthaften Verhandlungen auf

Am Montag, den 29.5. wurde der Wagenplatz „Schlagloch“ vom Prüner Schlag geräumt. Wir protestieren gegen diese Maßnahme und solidarisieren uns mit der Wagenplatzinitiative.

Am 28.4. hatte die Wagengruppe Schlagloch einen Platz auf dem Prüner Schlag besetzt, um dort einen Wagenplatz zu errichten. Dort fanden basisdemokratisch und selbstbestimmt Konzerte, Kunstaktionen, Pflanzenbasare und politische Veranstaltungen statt. Mit ihrer Nutzung des Prüner Schlages knüpften die Besetzer_innen an die frühere Nutzung des Geländes an, diente das Schrebergartengelände vor dem Verkauf an Möbelkraft doch Kielerinnen und Kielern zur Erholung, Selbstversorgung  und selbstbestimmten Lebensgestaltung. Die Wagengruppe Schlagloch besteht weiter und fordert einen Wagenplatz, auf dem solidarisch, naturnah und kulturell offen gelebt und gewirkt werden kann.
Wir, die Wohngenossenschaft Dampfziegelei e.G. unterstützen dieses Anliegen und die Forderung nach einer Anerkennung und Legalisierung des Wagenlebens.  Nach unserer Überzeugung und Erfahrung sind alternative Wohnformen wie der geplante Wagenplatz eine richtige Antwort auf innerstädtische Probleme wie Wohnungsknappheit, Ressourcenverschwendung, Mietwucher und Flächenversiegelung. Gemeinschaftliche Wohnformen bieten zudem die Möglichkeit, dass Menschen über ihr Wohnumfeld direkt bestimmen, sich im Alltag gegenseitig unterstützen und sich für kulturelle Vielfalt öffnen.
In den Verhandlungen mit der Wagengruppe Schlagloch drohte Oberbürgermeister Kämpfer schnell mit der Räumung und Verschrottung der Wagen, sollten die Besetzer_innen nicht freiwillig gehen. Er sei zwar grundsätzlich für alternative Wohnformen, Raum für einen neuen Wagenplatz sei allerdings erst nach dem Verlassen des Geländes verhandelbar.

Als positives Beispiel für die Bereitschaft der Stadtverwaltung, alternative Wohnformen zu fördern, nennt der OB auch unsere Wohngenossenschaft. Dazu möchten wir anmerken, dass wir uns keinesfalls gegen die Wagengruppe Schlagloch instrumentalisieren lassen. Tatsächlich musste auch in der Wik jahrelang um alternative Wohnformen gekämpft werden. Der ehemals angrenzende Wagenplatz konnte nur durch eine Besetzung und eine breite öffentliche Unterstützung einige Jahre gegen die Räumungsabsichten des Liegenschaftsamtes verteidigt werden. Und auch das von uns mittlerweile sanierte Gebäude der alten Dampfziegelei konnte nur durch beherztes Auftreten in letzter Minute vor dem Abriss gerettet werden. Ohne Mut und öffentliche Unterstützung sind alternative Wohnformen in dieser Stadt offenbar nicht durchzusetzen.
Wir sehen in der Platzbesetzung am Prüner Schlag einen notwendigen Akt des zivilen Ungehorsams und begrüßen das politische Signal, dass von ihr ausgeht. Wir brauchen in Kiel mehr Orte des gemeinschaftlichen Wohnens und Lebens, mehr kreative Orte, in denen Menschen Anschluss und Ausdruck finden und mehr Protest gegen die auch in Kiel voranschreitende Zerstörung von bezahlbarem Wohnraum.

Anstatt den Wagenleuten zu drohen und sie zu kriminalisieren, erwarten wir von Oberbürgermeister Kämpfer ernsthafte Gespräche zur Errichtung eines Wagenplatzes, damit Kiel eine sozialere, weltoffenere und buntere Stadt werden kann. “